RV- Blitz Saarbrücken
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Etwa 25 Jahre brauchte ich um es in der Kunst des Rennradfahrens zu einer gewissen Meisterschaft zu bringen. 1965 hatte ich in Trento ein Bottecchia Rennrad gekauft: das erste, das mit einer 12-Gangschaltung der Marke Campagnolo ausgerüstet war. Es steht noch heute im Keller.

Auf den Großglockner hat mich dieses Rad begleitet, auf das Stilfser Joch, um die Sella- Runde hat es mich rangiert, auf das Cap der guten Hoffnung, durch eine tobende Affenherde hindurch.

Mit seinem Nachfolger fahre ich heute gelegentlich auf den Schauinsland: das ist auch für mich Sport, und dabei kommen mir selten elementare philosophische Fragen. Zugegeben: beim Anstieg auf den Großglockner Pass – die Strecke ist in etwa so lang wie die Straße auf den Schauinsland, aber es werden doppelt so viele Höhenmeter bewältigt – stellen sich ganz andere, noch elementarere Fragen: wann lässt der Schmerz nach? Hört das denn nie auf? Du Idiot, warum hast du dir das vorgenommen? Und dann wird man so leer, dass man zum Fragen zu müde ist. Dann zählt nur noch der Wille, der den Willen will. Solche Strecken sind bestenfalls etwas für Masochisten, die es ja bekanntlich auch unter den Philosophen geben soll.

Das ist lange her, auch wenn mich gelegentlich auch heute noch der Masochismus überfällt.

Denn diese Art zu Fahren kann zur Sucht werden.
Heutzutage zelebriere ich das Fahrradfahren.

Ein elegantes Rennrad fördert die Leichtigkeit des Seins.
Mäßig schnell, mit einem der wenigen Tachometer, der die Messung der Durchschnittsgeschwindigkeit verweigert, sondiere ich die Freiburger Umgebung. Die eigentliche Kunst des Rennradfahrens zeigt sich nicht in Alpe d`Huez. Sie ist auf anderen Strecken zu hause.

Es ist das mäßig schnelle Fahren auf gepflegten Straßen oder Wegen im taillierten Gelände, oder wie wir Radfahrer sagen: das Kilometer- machen.

Das Kilometermachen ist eine der vornehmsten Arten aus der Welt und bei sich selbst zu sein. Auf dem Rennrad kann man nicht angerufen werden. Das Rennrad zwingt einen den eigenen Rhythmus auf. Man hat eine Klingel, aber man wird nicht heraus geläutet. Das Rennrad erzwingt keine Aufmerksamkeit.

Ganz anders als das Mountainbike, bei dem man regelmäßig das Terrain beachten muss. Mit dem Rennrad ist man gezwungen auf guten Wegen zu fahren. Oder das Spazieren gehen, bei dem man unmerklich den Rhythmus wechselt. Anders als das Radrennfahren ist das Rennradfahren eine Tätigkeit, die man tunlichst alleine verrichten sollte. Nicht nur, weil man da in bester Gesellschaft ist. Nur so funktioniert die lange Fahrt zu sich selbst.

Und man sollte immer wieder die gleichen Strecken fahren. Das reduziert die aufmerksame Zuwendung. Dann überfallen einen gelegentlich Fragen: „Was war vor dem Anfang?

Was kommt nach dem Ende?“ Heidegger Weg, schwül warm, Schiebewind, blauer Porsche, Emmendinger Nummer.

Autor: *Gert Keil, 30/7/2003

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