Mäßig schnell, mit einem der wenigen Tachometer, der die Messung der Durchschnittsgeschwindigkeit verweigert, sondiere ich die Freiburger Umgebung. Die eigentliche Kunst des Rennradfahrens zeigt sich nicht in Alpe d`Huez. Sie ist auf anderen Strecken zu hause.
Es ist das mäßig schnelle Fahren auf gepflegten Straßen oder Wegen im taillierten Gelände, oder wie wir Radfahrer sagen: das Kilometer- machen.
Das Kilometermachen ist eine der vornehmsten Arten
aus der Welt und bei sich selbst zu sein. Auf dem Rennrad kann man nicht angerufen werden. Das Rennrad zwingt einen den eigenen Rhythmus auf. Man hat eine Klingel, aber man wird nicht heraus geläutet. Das Rennrad erzwingt keine Aufmerksamkeit.
Ganz anders als das Mountainbike, bei dem man regelmäßig das Terrain beachten muss. Mit dem Rennrad ist man gezwungen auf guten Wegen zu fahren. Oder das Spazieren gehen, bei dem man unmerklich den Rhythmus wechselt. Anders als das Radrennfahren ist das Rennradfahren eine Tätigkeit, die man tunlichst alleine verrichten sollte. Nicht nur, weil man da in bester Gesellschaft ist. Nur so funktioniert die lange Fahrt zu sich selbst.
Und man sollte immer wieder die gleichen Strecken fahren. Das reduziert die aufmerksame Zuwendung. Dann überfallen einen gelegentlich Fragen:
„Was war vor dem Anfang?
Was kommt nach dem Ende?“
Heidegger Weg, schwül warm, Schiebewind, blauer Porsche, Emmendinger Nummer.
Autor: *Gert Keil, 30/7/2003
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